Physik, Pizza und Geisterteilchen

Die Physik-Projekttage PPT 2025 an der RWTH Aachen

251026. Wie fühlt es sich eigentlich an, für ein paar Tage echte Wissenschaftlerin zu sein? Genau das konnten F. Jansen und M. Lasta-Wichers (10) bei den Physik-Projekt-Tagen (PPT) 2025 an der RWTH Aachen erleben. Statt trockenem Schulbuchwissen gab es hier Laser, künstliche Intelligenz, kosmische Strahlung und Experimente, bei denen man sich manchmal eher wie in einem Science-Fiction-Film als in einem Uni-Labor fühlte.

Die PPT richten sich speziell an physikinteressierte Oberstufenschülerinnen. In kleinen Gruppen arbeiteten die Teilnehmerinnen gemeinsam mit Forschenden an aktuellen Themen aus der modernen Physik. Und zwar nicht nur theoretisch – hier wurde gebaut, programmiert, gemessen und analysiert.

Besonders spannend: Die Projekte klangen teilweise wie geheime Missionen aus einem Marvel-Film. Beim Projekt zum IceCube-Neutrino-Observatorium ging es um Teilchen aus den Tiefen des Universums, die fast unbemerkt durch die Erde fliegen. Die Schülerinnen analysierten echte Daten aus der Forschung und machten sogar kosmische Strahlung sichtbar. Klingt kompliziert? War es wahrscheinlich auch. Aber offenbar hatten alle großen Spaß daran.

Zum Titelbild (AI-generated): Wenn man sich fragt, wie viele Neutrinos sich zu einem bestimmten Zeitpunkt in einer Diafilmdose befinden, muss man zuerst klären, welche Neutrinos gemeint sind. Die einfachste Abschätzung benutzt den sogenannten kosmischen Neutrinohintergrund – ein „Neutrino-Nebel“, der seit dem Urknall überall im Universum vorhanden ist. Die mittlere Dichte beträgt ungefähr nν ≈ 336 Neutrinos/cm3. Eine typische Diafilmdose hat etwa ein Volumen von V ≈ 30 cm3. Damit ergibt sich die Zahl der enthaltenen Neutrinos zu N = nν⋅V=336⋅30 ≈ 10.000. Also befinden sich in einer Diafilmdose zu jedem Zeitpunkt ungefähr 10 000 Neutrinos. Und das Verrückte daran: Diese Neutrinos fliegen praktisch ungehindert durch die Dose, durch uns, durch die Erde – und meistens sogar durch ganze Planeten, ohne mit irgendetwas zu wechselwirken. Neutrinos sind also gewissermaßen die „Geisterteilchen des Universums“. Aber – wann fragt man sich schon so etwas? Vielleicht an den Physik-Projekttagen an der RWTH Aachen…

Link zum Rückblick 2025 mit Projekten und Programm 

Andere Gruppen beschäftigten sich mit künstlicher Intelligenz. Dabei wurde deutlich: KI ist nicht nur etwas für Informatikerinnen oder Chatbots, sondern spielt auch in der modernen Physik eine riesige Rolle. Die Teilnehmerinnen programmierten eigene neuronale Netzwerke und gingen damit auf „Teilchenjagd“. Wer hätte gedacht, dass Physik und Programmieren zusammen so cool sein können?

Auch Fans von Technik kamen voll auf ihre Kosten. Beim Projekt zur Laser-Interferometrie bauten die Schülerinnen eigene Interferometer – hochpräzise Messgeräte, mit denen Forschende sogar Gravitationswellen nachweisen können. Und ganz nebenbei wurde noch die Lichtgeschwindigkeit bestimmt.

Neben den Projekten gab es natürlich auch ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm. Dazu gehörten gemeinsame Mittagessen, ein Grillabend, Laborführungen und eine Exkursion zum Forschungszentrum Jülich. Außerdem konnten die Teilnehmerinnen in einer Fragestunde die Studierenden alles fragen, was man sich über ein Physikstudium schon immer gefragt hat – vermutlich auch, wie viele Kaffee pro Tag Physikstudierende wirklich brauchen.

Das Besondere an den PPT war aber nicht nur die spannende Forschung, sondern auch die Atmosphäre. Vier Tage lang trafen Schülerinnen auf andere Jugendliche mit derselben Begeisterung für Naturwissenschaften. Statt „Warum interessiert dich das denn?“ hieß es plötzlich: „Boah, zeig mal dein Experiment!“

Am Ende präsentierten alle Gruppen ihre Ergebnisse in einem Abschlusskolloquium vor Familie, Freunden und Lehrkräften. Und spätestens dort wurde klar: Physik ist viel mehr als Formeln an der Tafel. Sie kann faszinieren, überraschen und manchmal sogar ein bisschen verrückt sein.

Die PPT 2025 haben gezeigt, dass Wissenschaft alles andere als langweilig ist. Vielleicht entstehen hier ja gerade die Forscherinnen von morgen – oder zumindest Menschen, die jetzt wissen, dass schwarze Löcher, Laser und KI deutlich spannender sind als ihr Ruf.