Bio-Kurse der Q1 besuchten den Food-Forest „Naturlijk Berghof“ in Wiljre
260710. Wie entsteht aus einer ehemaligen Ackerfläche ein vielfältiges Ökosystem? Dieser Frage gingen die Schüler des Biologie-LK und -GK der Q1 am 09.07.2026 bei ihrer Exkursion zum Food-Forest „Naturlijk Berghof“ in Wiljre (Niederlande) – ein Citizen Science-Projekt, das von der RWTH Aachen wissenschaftlich begleitet wird. Dabei wurde schnell deutlich: Hier geht es nicht nur um den Anbau essbarer Pflanzen, sondern vor allem darum, natürliche Entwicklungsprozesse – die sogenannte Sukzession – erlebbar zu machen.

Das Forschungsprojekt der RWTH Aachen untersucht, wie sich auf einer zuvor landwirtschaftlich genutzten Fläche Schritt für Schritt ein artenreiches, waldähnliches System entwickelt. Bäume, Sträucher, Stauden, Kräuter und Bodendecker werden so kombiniert, dass sie sich gegenseitig unterstützen und langfristig ein stabiles Ökosystem bilden. Dieser Prozess orientiert sich an natürlichen Waldentwicklungen und zeigt, wie Biodiversität entstehen und gefördert werden kann.
Während der Führung erkundeten die Schüler die verschiedenen Bereiche des Food Forests und erfuhren, welche Rolle unterschiedliche Pflanzenarten für das Zusammenspiel des gesamten Systems spielen. Sie beobachteten, wie sich Lebensräume für Insekten und andere Tiere entwickeln, und diskutierten, warum Artenvielfalt eine entscheidende Voraussetzung für gesunde Böden, funktionierende Stoffkreisläufe und widerstandsfähige Ökosysteme ist.
Ein besonderer Schwerpunkt der Exkursion lag auf dem Citizen-Science-Ansatz des Projekts, das auch Teil eines Promotionsprojekts zur Erhebung der naturwissenschaftlichen Identitätsarbeit von Schülern ist. Die Schüler waren nicht nur Gäste, sondern wurden selbst Teil der Forschung. Ausgestattet mit Tablets führten sie Vegetationsanalysen nach der Methode von Braun-Blanquet durch, bestimmten Arten mithilfe der App iNaturalist und dokumentierten die Artenzusammensetzung ausgewählter Untersuchungsflächen. Darüber hinaus leerten sie Bodenfallen zur Erfassung bodenlebender Tiere und bestimmten die auf den Flächen vorhandene Biomasse. Die genaue Bestimmung der gesammelten Tier- und Pflanzenarten erfolgt im Anschluss durch die Projektmitarbeitenden der RWTH Aachen, sodass die erhobenen Daten in die wissenschaftliche Auswertung des Langzeitprojekts einfließen können. Auf diese Weise leisten die Schüler einen wertvollen Beitrag zur Grundlagenforschung und erleben unmittelbar, wie wissenschaftliche Erkenntnisse durch systematische Datenerhebung entstehen entstehen – durch systematisches Beobachten, Dokumentieren und Auswerten.
Besonders eindrucksvoll war die Erkenntnis, dass Sukzession kein theoretisches Konzept aus dem Biologieunterricht bleibt, sondern direkt vor Ort beobachtet werden kann. Die Veränderungen auf der Fläche machen sichtbar, wie sich Ökosysteme im Laufe der Zeit entwickeln und welche Bedeutung natürliche Prozesse für eine nachhaltige Landnutzung haben.
Den Abschluss der Exkursion bildete die gemeinsame Untersuchung eines Bodenprofils. Direkt im Gelände analysierten die Schüler den Aufbau des Bodens und erhielten Einblicke in die verschiedenen Bodenhorizonte sowie deren Bedeutung für Wasserhaushalt, Nährstoffversorgung und Pflanzenwachstum. So wurde deutlich, dass die Entwicklung eines vielfältigen Ökosystems nicht nur oberirdisch sichtbar ist, sondern auch im Boden ihren Ursprung hat.
Dabei wurde auch deutlich, dass Food Forests weit mehr leisten als die Produktion von Obst, Nüssen oder Kräutern. Sie fördern die biologische Vielfalt, speichern Kohlenstoff, verbessern den Wasserhaushalt und tragen dazu bei, Böden langfristig zu erhalten. Das Projekt verbindet damit Forschung, Klimaschutz und nachhaltige Ernährung auf anschauliche Weise.
Die Exkursion zeigte eindrucksvoll, wie spannend Lernen außerhalb des Klassenraums sein kann. Natur wurde nicht nur erklärt, sondern konnte beobachtet, erlebt und verstanden werden. So wurde die Sukzession – ein zentrales Thema des Biologieunterrichts – im wahrsten Sinne des Wortes „zum Anfassen“.
Ein herzliches Dankeschön an Amelie und Thomas vom Lehrstuhl für Didaktik der Biologie der RWTH Aachen für die informative Führung und die spannenden Einblicke in ein Forschungsprojekt, das zeigt, wie Artenvielfalt Wurzeln schlagen kann.
Text und Fotos: Dr. O.




































