Q1 GK BI auf Forschungsmission an der Vicht
260612. „Bei dem Sauwetter geht ihr wirklich ins Wasser?“ – Diese Frage hörten wir an diesem Morgen mehr als einmal in der Schule und zu Hause. Die Antwort lautete eindeutig: Ja!
Ausgestattet mit Gummistiefeln, Keschern, Messgeräten und einer ordentlichen Portion Forschergeist machte sich der Q1 Biologie-Grundkurs (Dr. O.) auf den Weg zur Vicht. Ziel war die alljährliche Fließgewässeruntersuchung – und die hatte in diesem Jahr eine ganz besondere Neuerung zu bieten.
Allerdings waren wir nicht einfach nur Schüler auf Exkursion. Im Rahmen eines fiktiven Auftrags des renommierten Ingenieurbüros „Bachrunter“ wurden wir zu professionellen Gewässergutachtern. Unsere Mission: den ökologischen Zustand der Vicht und des Rüstbachs fachgerecht untersuchen, Daten erheben und am Ende eine fundierte Bewertung der Gewässer abgeben. Mit Klemmbrettern unter dem Arm und wissenschaftlichem Ehrgeiz im Gepäck fühlte sich der Arbeitstag zeitweise erstaunlich echt an.
Trotz grauer Wolken und immer wieder einsetzendem Regen ließen wir uns die gute Laune nicht verderben. Schließlich ist ein Bach nicht aus Zucker – und professionelle Gutachter erst recht nicht.
Wie echte Gewässerökologen untersuchten wir die biologischen Eigenschaften der Vicht. Mit Sieben und Keschern wurden kleine Bachbewohner aus dem Wasser gefischt und anschließend bestimmt. Zwischen Steinen und Wasserpflanzen versteckten sich zahlreiche Hinweise auf die Gewässerqualität: Bachflohkrebse, Köcherfliegenlarven und Eintagsfliegenlarven verrieten uns, wie gut es dem Bach geht. Wer die empfindlichen Arten findet, weiß: Hier stimmt einiges im Ökosystem.
Doch nicht nur die Lebewesen standen im Mittelpunkt. Auch die physikalisch-chemischen Eigenschaften des Wassers wurden untersucht. Temperatur, Sauerstoffgehalt, pH-Wert und weitere Parameter lieferten wichtige Informationen über den Zustand des Gewässers. Zusätzlich nahmen wir die Gewässerstruktur genauer unter die Lupe: Wie vielfältig sind Ufer und Bachbett gestaltet? Gibt es unterschiedliche Strömungsbereiche? Wo finden Tiere Schutz und Nahrung?
Während einige Gruppen konzentriert Messwerte notierten, kämpften andere mit besonders flinken Wasserinsekten, die offenbar wenig Interesse daran hatten, bestimmt zu werden. Manchmal landete mehr Wasser im Ärmel als im Probengefäß. Das Ingenieurbüro „Bachrunter“ zeigte sich inoffiziell dennoch mit der Arbeitsleistung zufrieden.
Besonders spannend war in diesem Jahr die Zusammenarbeit mit der Universität Duisburg-Essen im Rahmen des Projekts „DNA macht Schule“. Nachdem die ersten Probennahmen schon Ende Oktober 2025 genommen wurden, entnahmen wir nun für einen ersten Vergleich an der Vicht und am Rüstbach sogenannte eDNA-Proben. Dabei wird Wasser gesammelt und später auf winzige DNA-Spuren untersucht, die Tiere und andere Organismen im Gewässer hinterlassen haben. Die Wissenschaft kann dadurch Arten nachweisen, ohne sie direkt beobachten oder fangen zu müssen – fast wie eine kriminalistische Spurensuche im Bach.
Wer weiß: Vielleicht schwimmen in unseren Proben Hinweise auf Arten, die wir mit dem Kescher niemals entdeckt hätten. Die Auswertung der Proben erfolgt im Universitätslabor und wird zeigen, welche verborgenen Bewohner sich in den beiden Bächen tummeln.
Am Ende des Tages waren zwar viele Jacken nass und manche Schuhe deutlich schwerer als zu Beginn, doch die Ergebnisse konnten sich sehen lassen. Vor allem aber wurde deutlich, wie vielfältig und faszinierend die Lebenswelt direkt vor unserer Haustür ist – selbst bei Regenwetter.
So kehrten wir mit zahlreichen Messwerten, spannenden Beobachtungen und einer Menge neuer Erfahrungen zurück. Und vielleicht betrachtete der eine oder die andere die Vicht danach nicht mehr nur als Bach, sondern als lebendiges Forschungsgebiet voller Überraschungen. Das Ingenieurbüro „Bachrunter“ dürfte jedenfalls mit seinem Nachwuchsteam zufrieden sein.
Link: DNA macht Schule
























